Das neue US-Zollregime unter Präsident Donald Trump ist mit Verzögerung in Kraft getreten und betrifft derzeit knapp 70 Staaten weltweit. Die Zollsätze reichen von zehn bis fünfzig Prozent und werden je nach Land sehr unterschiedlich begründet. Trump bezeichnete den Start am 02.04.2025 als „großen Tag für Amerika“ und erklärte, die Maßnahmen dienten dem Schutz der heimischen Industrie, der Sicherung von Arbeitsplätzen sowie als Druckmittel in internationalen Verhandlungen.
Die Zölle für Europa
Für die Europäische Union gilt nun ein Satz von 15 % auf die meisten Produkte, darunter auch Autos. Diese Regelung ist Teil einer Einigung zwischen Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die außerdem den Kauf von US-Energie im Wert von 750 Milliarden Dollar und Investitionen von 600 Milliarden Dollar in den USA vorsieht. Sollte sich herausstellen, dass die vereinbarten Investitionen ausbleiben, droht Trump mit einer Erhöhung auf 35 %. Eine Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zeigt, dass 58 % der deutschen Unternehmen – und sogar 74 % der Firmen mit direktem US-Geschäft – zusätzliche Belastungen befürchten. Bundeskanzler Friedrich Merz warnte vor einem erheblichen Schaden für die deutsche Wirtschaft und möglichen Arbeitsplatzverlagerungen in die USA.
Japan und Südkorea mit ähnlichen Vereinbarungen
Japan und Südkorea haben ähnliche Abkommen wie die EU ausgehandelt, um höhere Zölle zu vermeiden. Beide Länder akzeptierten einen Einfuhrzoll von 15 % auf die meisten Produkte. Japan will im Gegenzug seinen Markt zollfrei für US-Autos und Reis öffnen und Investitionen in Höhe von 550 Milliarden Dollar tätigen. Südkorea sicherte Investitionen von 350 Milliarden Dollar zu und erklärte den Kauf von US-Flüssigerdgas im Wert von 100 Milliarden Dollar. Besonders hart trifft es die Schweiz – ihr Zollsatz wurde auf 39 % angehoben, obwohl ursprünglich 31 % geplant waren. Die Schweizer Regierung äußerte „großes Bedauern“, zumal die Schweiz der sechstwichtigste ausländische Investor in den USA ist und dort rund 400.000 Arbeitsplätze geschaffen hat. Für Brasilien wurden wiederum 50 % Zölle angekündigt, offiziell im Zusammenhang mit der Strafverfolgung des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro; Brasiliens Regierung sprach von „Erpressung“.
Weitere Zollabkommen
Weitere hohe Zollsätze gelten für Syrien (41 %), Laos und Myanmar (je 40 %) sowie den Irak (35 %). Indien muss seit einer Erhöhung nun 50 % Zoll zahlen – offiziell wegen seiner Ölimporte aus Russland („Sekundärsanktion“). Indonesien akzeptierte einen Satz von 19 % verbunden mit Verpflichtungen zum Kauf von Boeing-Flugzeugen sowie Energie- und Agrarprodukten. Vietnam wurde mit 20 % belegt. Kanada sieht eine Erhöhung von 25 auf 35 % für nicht-USMCA-konforme Produkte – mit Verweis auf mangelnde Kooperation im Kampf gegen Drogenschmuggel und die geplante Anerkennung eines Palästinenserstaates. Mexiko erhielt hingegen einen Aufschub von 90 Tagen zur Verhandlung einer Zollerhöhung auf 30 %, nachdem Präsidentin Claudia Sheinbaum ein positives Gespräch mit Trump gemeldet hatte.
Die Verhandlungen mit China dauern noch an
Mit China liefen ursprünglich Verhandlungen – eine Frist bis zum 12. August wurde gesetzt, um massive Tarifsteigerungen zu verhindern. Diese Frist ist inzwischen bedeutungslos geworden. Denn die USA und China haben die Zollpause um weitere 90 Tage bis zum 10. beziehungsweise 9. November 2025 verlängert. Damit bleiben die Zollsätze – 30 % auf chinesische Importe und 10 % auf US-Waren – bestehen, und drohende Triple-Digit-Sätze wurden vermieden. Zudem wurde jüngst ein hochrangiger chinesischer Handelsvertreter zu informellen Gesprächen in die USA entsandt – als Zeichen fortgesetzter, wenn auch nicht vollumfänglicher Verhandlungsmotivation. Diese Entwicklungen verhindern vorerst eine Eskalation und schaffen Raum für einen möglichen Trump-Xi-Gipfel im Herbst.
Quellen: Union Investment, DZ Bank AG/Infront
Dieser Blog wurde maßgeblich recherchiert und geschrieben von unserem Trainee: Sven Celec.