Nachhaltigkeit in der Geldanlage Teil 1 – Der Begriff und seine Historie

In der Vergangenheit ging man davon aus, dass nachhaltiges Investieren zwangsläufig mit einem Kompromiss bzw. Einbußen in Bezug auf die Renditeerwartungen einhergehen muss. Diese Ansicht hat sich in jüngster Zeit allerdings geändert. Dies hat zum einen damit zu tun, dass sich die Qualität der Daten deutlich verbessert hat und die Analysen deutlich differenzierter wurden. Zum anderen trägt auch das bessere Verständnis für die Bedeutung von Nachhaltigkeit für Menschen, Unternehmen und Staaten hierzu bei. Ferner steigt auch das Bewusstsein, dass sich Nachhaltigkeitskriterien, die meist unter den Begriffen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung zusammengefasst werden, und langfristige Wachstumspotentiale von Unternehmen nicht ausschließen müssen.

Wir möchten Ihnen in unserer kleinen Weitblick-Reihe „Nachhaltigkeit in der Geldanlage“ einen etwas tieferen Blick in das Thema Nachhaltigkeit gewähren. Wir werden uns in einem ersten Schritt etwas die Geschichte dieses Begriffes ansehen und was zu seiner aktuellen Popularität geführt hat. Des Weiteren werden wir die einzelnen Bestandteile und deren Bedeutung in Augenschein nehmen und wie diese überwacht werden können. Abschließend werden wir uns mit der Frage beschäftigen, wie das Thema Nachhaltigkeit in Anlageportfolien verankert werden kann und werden Ihnen hierzu auch einen Einblick in unseren „Maschinenraum“ des Volksbank Kraichgau Fonds: Nachhaltigkeit gewähren.

Begleiten Sie uns in den nächsten Wochen auf unserer kleinen Reise durch das Thema Nachhaltigkeit.

Der Begriff Nachhaltigkeit

Nicht erst seit Greta Thunberg und den „Fridays for Future“-Demonstrationen hat man das Gefühl, täglich mit Begriffen wie Umweltschutz, Klimaziele und eben auch Nachhaltigkeit in Berührung zu kommen. So gibt es Hochschulen für nachhaltige Entwicklung, die zum Beispiel Studiengänge wie „Nachhaltiges Tourismusmanagement“ im Angebot haben, man spricht vom nachhaltigen Bauen sowie nachhaltigen Schuhen und den Politikern dient die Nachhaltigkeit als Slogan. Auch in den Führungsebenen von Unternehmen ist der Begriff ein „Dauergast“ und ein großes Thema in der Wissenschaft.

Ursprung und später Erfolg des Begriffs

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ oder „nachhaltige Entwicklung“ hat in vielen Kulturen seine Verankerung. So gibt es einen See in Südamerika, dessen Name „Manchau gagog changau gagog chaugo gagog amaug“ auf Deutsch übersetzt so viel wie „Wir fischen auf unserer Seite, ihr fischt auf eurer Seite und niemand fischt in der Mitte“ bedeutet. „Diese „offensichtliche einfach Anweisung für den nachhaltigen Umgang mit lebensnotwendigen Ressourcen“ zeigt, dass hinter Nachhaltigkeit eine Überlebensstrategie steht“.

Seinen eigentlichen Ursprung hat der deutsche Begriff in der Forstwirtschaft, wo er das erste mal im 18. Jahrhundert vom sächsischen Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645-1714) in seinen Werk „Sylvicultura Oeconomica, oder Hauswirtschaftliche Nachricht und Naturgemäße Anweisung zur wilden Baumzucht“ formuliert wurde. Hierin wurde von ihm eine Holzwirtschaft gefordert, bei der immer nur soviel Holz geschlagen wird, wie durch Wiederaufforstung nachwachsen kann.

Auch noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts blieb „Nachhaltigkeit“ in Deutschland zunächst ein Begriff der Förster. Zu dieser Zeit waren andere Wörter wie „Umwelt“ und „Ökologie“ en vogue. Selbst im Jahr 1983, als die Grünen in den deutschen Bundestag einzogen, konnte man noch über Umweltfragen reden, ohne das Wort „Nachhaltigkeit“ in den Mund zu nehmen. So kommt der Begriff in der Fraktionsprotokollen der Grünen von 1983 und 1987 zum Beispiel nicht vor.

Erst die durch Verwendung in den Berichten internationaler Gremien wie zum Beispiel der World Conservation Strategy der International Union for the Conservation of Nature oder der von Willy Brand geleiteten Nord-Süd-Kommission der Weltbank, erlangte der Begriff ein großes Maß an Bekanntheit.

Das Jahr nach Tschernobyl und Sandoz

Vor allem der 1987 veröffentlichte Bericht „Unsere Gemeinsame Zukunft“ von der Brundtland-Kommission der Vereinten Nationen enthielt eine vielzitierte Definition der nachhaltigen Entwicklung. „Nachhaltig war demnach eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen“. Sicherlich war auch das Jahr 1987 genau der richtige Zeitpunkt für einen Umweltappell, da sich im Jahr zuvor der Supergau von Tschernobyl und der Chemieunfall von Sandoz ereigneten. Diese Chronologie der Ereignisse verhalf dem Begriff Nachhaltigkeit zu einem weiteren Popularitätsschub.

Spätestens seit dem legendären Erdgipfel von Rio de Janeiro im Jahr 1992, ist der Begriff aus unseren (politischen) Sprachgebrauch nicht mehr wegzudenken.

Die 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung

Auch die Länder der Vereinten Nationen (UN) haben sich im September 2015 auf die Agenda 2030 zur nachhaltigen Entwicklung verständigt.

Die wichtigsten Bestandteile der Agenda sind die 17 Entwicklungsziele. Diese setzen weltweit einheitliche Maßstäbe für Prioritäten und Ziele einer nachhaltigen Entwicklung bis 2030.

Quelle: www.un.org

Keine einheitliche Definition, aber…

Wie wir alles wissen, führt Popularität bei politischen Begriffen fast zwangsläufig zu Unschärfen. Auch gibt es noch keine einheitliche Definition einer nachhaltigen Geldanlage. Allerdings gibt es im Wirtschaftskontext mittlerweile eine geläufige Definition, die sehr handlich und gut anwendbar ist: „Nachhaltigkeit bedeutet, nicht Gewinne zu erwirtschaften, die dann in Umwelt- und Sozialprojekte fließen, sondern Gewinne bereits umwelt- und sozialverträglich zu erwirtschaften.“

Wir würden uns freuen, Sie auch beim zweiten Teil unserer kleinen Reihe zum Thema nachhaltige Geldanlage als Leser begrüßen zu dürfen. Über unseren Weitblick-Newsletter könnten Sie sich gerne über das Erscheinen neuer Blog-Artikel informieren lassen.

Quellen

Edmund A. Spindler: „Geschichte der Nachhaltigkeit – Vom Werden und Wirken eines beliebten Begriffs“

Frank Uekötter: Ein Haus auf schwankendem Boden: Überlegungen zur Begriffsgeschichte der Nachhaltigkeit. Erschienen in APuZ 31-32/2014

Iris Pufeé: Was ist Nachhaltigkeit? Dimensionen und Chancen. Erschienen in APuZ 31-32/2014

Hans Carl von Carlowitz / Joachim Hamberger (Hrsg.): Sylvicultura oeconomica oder Haußwirthschaftliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur Wilden Baum-Zucht

Volker Hauf (Hrsg.): Unsere gemeinsame Zukunft. Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung

Josef Boyer/Helge Heidemeyer: Die Grünen im Bundestag. Sitzungsprotokolle 1983-1987.

Union Investment

Vereinten Nationen: www.un.org