Kennen Sie wichtige Faustregeln der Börsianer? Im Hinblick auf ein Alltime-High, also ein neues Allzeithoch, sind die wichtigsten Regeln die drei folgenden:
„The trend is your friend!“
„Time in the market beats timing the market!“
„buy the dip“
Bestimmt sind Ihnen diese oder ähnliche Weisheiten bereits über den Weg gelaufen. Doch was geschieht, wenn ein neues Allzeithoch erreicht wird? Korrekt: die Zweifler und Crash-Propheten überziehen Investoren mit Gründen, weshalb das Allzeithoch der ideale Zeitpunkt ist, um aus dem Markt oder der Aktie auszusteigen.
Fakt: Eine Rally ist eine Rally
Ja, auch wir können die aktuellen Entwicklungen der US-Börsen und einiger Aktien fundamental nicht mehr erklären. Dies ist auch gut so, denn dadurch wird unser intrinsisches Risikomanagement aktiviert. Dennoch gilt es Ruhe zu bewahren und auf Fakten zu vertrauen, denn eine Rally ist erst mal eine Rally, nicht automatisch eine Übertreibung und nicht automatisch die Trendumkehr mit Sturz ins Bodenlose. Zwar gibt es tatsächlich immer wieder Beispiele, in denen Allzeithoch´s den Wendepunkt markierten und nie mehr erreicht wurden. Aber sie sind in der deutlichen Minderheit, insbesondere bei Indizes. Denn grundsätzlich können selbst Übertreibungen noch eine ganze Weile weitergehen und das oft länger, als viele Marktakteure sich dies vorstellen können. Und da es statistisch viel mehr Tage mit steigenden Kursen (in Anzahl und Ausprägung) gibt als Tage mit fallenden Kursen, gilt der einfache Zusammenhang: (Allzeit-)Hochs sind die stärksten Kaufsignale, die es gibt! Die Kurse bewegen sich aufwärts, in starken Trends. Und solche Trends sind die Freunde der Investoren!
Allzeithoch´s sind keine Umkehrsignale
Zugegeben, es ist selten einfach, sich in einer konkreten Situation über die weitere Richtung der Kurse im Klaren zu sein. Auch der stärkste Trend geht irgendwann zu Ende – und wer kann schon sagen, ob es nicht gerade jetzt dazu kommt? Schließlich findet man meist zu jedem positiven Argument mindestens ein negatives. Und auch Seitwärtsbewegungen verlangen uns gute Nerven ab und weisen zwischenzeitlich immer wieder Tendenzen einer Umkehrformation auf.
Zwar herrscht bei starken Aufwärtstrends oft eine „ÜBER-Lage“: Die Kurse sind meist ÜBER-kauft, Aktien vielfach ÜBER-bewertet und die Stimmung ist mitunter ÜBER-euphorisch. Das alles sind ernst zu nehmende Warnhinweise. Doch erfahrene Börsianer wissen, dass dies nur selten konkrete Umkehrsignale sind. Um dies zu untermauern haben wir folgendes Beispiel mitgebracht:
Im Jahr 2024 erreichte der US-Standardindex S&P500 am 19. Januar ein Allzeithoch. Es folgten im Jahr 2024 noch 49 (!) weitere Allzeithöchststände und wer am 20.01.24 ausgestiegen wäre (und bis Jahresende nicht wieder ein), hätte am Ende rund 30% (in EUR gerechnet) an Performance verpasst!
Doch auch im langfristigen Blick zeigt sich, dass Allzeithöchststände in der Regel keine Umkehrsignale sind:

Quelle: DZ Bank AG / Infront, eigene Markierungen und Kommentierungen
Der 10-Jahres-Chart des S&P500 wurde von uns wie folgt ergänzt:
- schwarz: Zeiten ohne neues Allzeithoch
- orange: Die Zeit vom ersten Allzeithoch nach langer Zeit bis zum Ende dieser Trendbewegung
- rot: Phasen, in denen (meist nach Allzeithoch) der Trend zu kippen drohte (bisher aber nicht kippte)
Sie sehen, zumindest in den vergangenen 10 Jahren gab es keine Situation – Corona, Ukraine & Co. zum Trotz – in denen es zu einer nachhaltigen Trendumkehr kam (das Jahr 2022 bezeichnen wir als nicht nachhaltig, da ab November der Markt dann wieder nach oben drehte). Um eine echte Trendumkehr nach einem Allzeithoch zu finden, muss schon in das Jahr 2000 zurückgegangen werden – also 25 Jahre zurück. Der DAX notierte seinerzeit noch vierstellig bei knapp über 8.000 Punkten. Dieses Beispiel heranzuziehen, um bei jedem neuen Allzeithoch die Geister zu beschwören halten wir für wenig zielführend.
Unser Fazit:
Die oben genannten Börsen-Weisheiten haben unseres Erachtens durchaus Bestand. Ein neues Allzeithoch sollte grundsätzlich „pro-zyklisch“ gewertet werden. Sofern eine „ÜBER-Lage“ besteht, sollten Investoren durchaus vorsichtig werden, teilweise mal Gewinne sichern oder sukzessive Risiken reduzieren. Und sollte in einer folgenden Konsolidierung der Aufwärtstrend nicht brechen, dann heißt es wieder „rein in den Markt“, denn „time in the market beats timing the market“.
Quellen: DZ Bank AG
Disclaimer: Dieses Dokument wurde durch die Volksbank Kraichgau eG erstellt. Es dient ausschließlich lnformationszwecken und stellt weder ein öffentliches Angebot noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Erwerb von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Dieses Dokument ist keine Finanzanalyse. Alle hierin enthaltenen Bewertungen, Stellungnahmen oder Erklärungen sind diejenigen des Verfassers des Dokuments und stimmen nicht notwendigerweise mit denen dritter Parteien überein. Die Volksbank Kraichgau eG übernimmt keine Haftung für unmittelbare oder mittelbare Schäden, die durch die Verteilung und/oder Verwendung dieses Dokuments verursacht werden und/oder mit der Verteilung und/oder Verwendung dieses Dokuments im Zusammenhang stehen. Eine Investitionsentscheidung bezüglich irgendwelcher Wertpapiere oder sonstiger Finanzinstrumente sollte auf der Grundlage eines Beratungsgesprächs sowie Prospekts oder Informationsmemorandums erfolgen und auf keinen Fall auf der Grundlage dieses Dokuments. Die Inhalte dieses Dokuments entsprechen dem Stand zum Zeitpunkt der Erstellung des Dokuments. Sie können aufgrund künftiger Entwicklungen überholt sein, ohne dass das Dokument geändert wurde.