Gestern hatten wir über NVIDIA als Ikone der KI-Aktien berichtet. Im Moment „kämpft“ die Aktie darum, die gestern aufgezeigte 180 USD-Marke zu halten. Da wir im Moment lediglich vorbörsliche Taxen aus den USA erhalten, bleibt der Nachmittag und Abend abzuwarten. Noch besteht die Chance auf Stabilisierung. Eine andere Kursentwicklung rückt stattdessen in den Fokus: Der Abverkauf im Bitcoin – immerhin rund 36% seit dem jüngsten Allzeithoch und im Moment rund 8% am heutigen Tag (Stand 13.30h):

Quelle: stock3.com, eigene Zeichnung und Kommentierung
In den sozialen Medien überschlagen sich Spekulationen, Chartvergleiche und vermeintliche Erklärungen. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Diese Marktbewegung war vielleicht nicht das Ergebnis eines einzelnen Ereignisses, sondern die logische Konsequenz einer seit Wochen „brodelnden“ makroökonomischen Gemengelage.
Die nächste US-Zinssenkung rückt in die Ferne
Inmitten der Vielzahl an Marktindikatoren ragen die Fed Fund Futures Rates hervor. Ein Instrument, das professionellen Marktteilnehmern zeigt, wie wahrscheinlich zukünftige Zinsschritte sind. In den vergangenen Tagen ist ein klarer Trend sichtbar geworden: Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung der US-Notenbank FED im Dezember ist mittlerweile deutlich unter die Marke von 50 % gefallen – wo vor Wochen eine weitere Zinssenkung noch ausgemachte Sache war! Für die Märkte ist das ein Signal mit enormer Tragweite. Wenn die Aussicht auf sinkende Zinsen schwindet, bedeutet das in der Praxis: Kapital bleibt teurer, Risiken werden unter Umständen höher bepreist und Bewertungsmodelle müssen angepasst werden. Ein leitender Analyst eines großen US-Hauses fasste es gegenüber Bloomberg-News sinngemäß so zusammen: „Der Markt reagiert nicht auf die aktuellen Zinsen, sondern auf die Aussicht, dass sie höher bleiben als gedacht.“
Zinsunsicherheit trifft auf Shutdown-Sorgen
Während sich die Marktteilnehmer in den USA auf das Thema Zinspolitik fokussierten, kam eine zweite Belastungsgröße hinzu: Die wirtschaftlichen Folgen des US-Government-Shutdowns. Neue Schätzungen zeigen die Gefahr, dass die negativen Auswirkungen gravierender sein könnten, als zunächst angenommen. Verzögerte staatliche Ausgaben, Einschränkungen in Statistikbehörden, Einbußen im Konsum öffentlicher Mitarbeiter… all das summiert sich zu einem ernstzunehmenden Wachstumsrisiko. Diese Kombination (schwächeres Wachstum und gleichzeitig höhere Finanzierungskosten) führt zu einer Art Risk-Off-Stimmung. Institutionelle Investoren ziehen in solchen Situationen systematisch Kapital aus Bereichen ab, die besonders sensibel auf Makroveränderungen reagieren: Technologieaktien, High-Beta-Werte und Kryptowährungen.
Warum Bitcoin, Altcoins und Tech besonders hart getroffen werden
Nicht zu vergessen: Kryptowährungen wie Bitcoin und Altcoins sind stark liquiditätsgetrieben. Steigt die Wahrscheinlichkeit länger hoher Zinsen, trocknet genau diese Liquidität (zumindest auf kurzfristiger Basis) spürbar aus, da Investoren Kapital umschichten. Ähnlich verhält es sich bei den hoch bewerteten Technologie- und Wachstumsunternehmen im Nasdaq-Index, deren zukünftige Gewinne wieder stärker abdiskontiert werden. In einem Researchpaper aus den USA stand zu lesen: „Wenn die Zinskurve kippt, sind die ersten, die es trifft, die Assetklassen mit der höchsten Duration und dazu gehört inzwischen auch Krypto“. Der Markt folgt also nicht Emotionen, sondern eher mathematischen Risikomodellen: Volatilitätsziele werden angepasst, Risikoprämien steigen, algorithmische Modelle drehen auf Abbau. Modelle wie CTA-Trading, Volatilitäts-Targeting-Strategien und Risk-Parity-Ansätze reagieren automatisiert auf die veränderte Erwartung an die Liquiditätslage. Die Folge ist ein breiter, technisch getriebener Abverkauf. Kein „Crash“, kein panisches Durcheinander, sondern ein strukturelles Repricing von Risiko. Hierzu passt dann auch der charttechnische Hinweis, dass der Bitcoin-Kurs am 04.11.25 unter seine 200-Tage Linie fiel und sich ab dem Tag der missglückten „Rückeroberung“ am 11.11.25 der jüngste Abverkauf beschleunigte (inklusive einem sog. „Death-Cross-Signal“, da die 50-Tage Linie die 200-Tage-Linie von oben nach unten durchkreuzte). Die 80.000 USD-Marke und spätestens die 73.835 USD-Marke könnten eine charttechnische Unterstützung bieten. Wir werden sehen…
Quellen: DZ Bank AG/Infront, stock3.com, Bloomberg