Seltene Erden: In Chinas Hand

Die Gruppe der 17 Seltenen Erden (Rare Earth Elements, REEs) hat sich zu einem der strategisch wichtigsten Rohstoffe des 21. Jahrhunderts entwickelt. An der Schnittstelle von Elektrifizierung, Verteidigung und Hochleistungselektronik sind diese Metalle, insbesondere die Magnetmetalle wie Neodym und Praseodym, unverzichtbar geworden.

China dominiert die Lieferketten

Die globale Lieferkette für Seltene Erden ist durch eine extreme geografische Konzentration gekennzeichnet. China dominiert diesen Sektor auf allen Stufen der Wertschöpfungskette und hält damit einen entscheidenden Hebel in der Hand.

  • rund 70 % der weltweiten REE-Förderung finden in China statt.
  • rund 91% der weltweiten Verarbeitungskapazitäten (Trennung und Raffination) entfallen auf China.
  • rund 94% beträgt Chinas Marktanteil bei der Produktion von Permanentmagneten (die in Elektromotoren und Windkraftanlagen zum Einsatz kommen).

Diese massive Konzentration macht die Lieferketten anfällig für geopolitische Spannungen und Angebotsschocks, wie sie etwa bei den chinesischen Exportbeschränkungen im Jahr 2010 zutage traten.

Treiber der Nachfrage: E-Mobilität und KI 

Die steigende Nachfrage aus Hochtechnologie-Bereichen verschärft das Problem der Versorgungssicherheit und führt zu einem prognostizierten Defizit.

  • Elektrofahrzeuge (EVs) sind der größte und am schnellsten wachsende Nachfragetreiber. Sie machen derzeit etwa ein Drittel der gesamten REE-Nachfrage aus, Tendenz stark steigend.
  • Auch die Windkraftindustrie ist auf hocheffiziente Permanentmagnete angewiesen.
  • Ein neuer Faktor sind KI-Rechenzentren, die signifikant mehr Seltene Erden pro Einheit verbrauchen können als herkömmliche Rechenzentren.

Analysten erwarten bei den Schlüsselmetallen Neodym und Praseodym, die für die Permanentmagnete nötig sind, ein Versorgungsdefizit in den kommenden Jahren, da die Nachfrage das Angebot an neuen Minen und Verarbeitungsanlagen übersteigt.

Die westliche Gegenstrategie: Reshoring und Preisgarantien

Angesichts der strategischen Risiken bemühen sich westliche Regierungen aktiv um das sogenannte Reshoring, also die Rückverlagerung kritischer Lieferketten. Ein Schlüsselbeispiel ist die öffentlich-private Partnerschaft zwischen dem US-Verteidigungsministerium (DoD) und dem US-Produzenten MP Materials (Mountain Pass Mine). Diese Partnerschaft beinhaltet nicht nur Finanzhilfen zum Ausbau inländischer Magnetproduktionsanlagen, sondern auch eine wichtige Preissicherheits-Komponente. Denn das DoD garantiert einen Mindestpreis von 110 USD pro Kilogramm für Neodym-Praseodym-Oxid. Dieser Mindestpreis ist ein entscheidender Mechanismus, da er signifikant über den aktuellen Spotpreisen auf den von China dominierten Märkten liegt. Er stellt sicher, dass westliche Hersteller langfristig mit stabilen Margen kalkulieren können, selbst wenn chinesische Exporteure die globalen Preise drücken.

 

Quelle: DZ Bank AG / Infront

 

Damit wird die Grundlage für den Aufbau einer unabhängigen REE-Lieferkette außerhalb Chinas geschaffen. Doch trotz dieser massiven staatlichen Unterstützung werden der Aufbau neuer Trennanlagen und Magnetfabriken in den USA und Europa noch Jahre in Anspruch nehmen, weshalb die Dominanz Chinas auf kurze Sicht weiterhin bestehen bleiben wird. Und weshalb Investments wie z.B. in MP Materials kein Selbstläufer sind.

Quelle: Union Investment

 

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