NVIDIA steht im Zentrum des KI-Booms, entsprechend gebannt blickten die Börsen auf den Quartalsbericht des Chip-Riesen. Jetzt liegen die Zahlen vor – und sie fallen noch um einiges stärker aus als erwartet. Der KI-Boom lässt das Geschäft des Chipkonzerns weiterhin explosiv wachsen und das dreizehnte Quartal in Folge (!) die Markterwartungen übertreffen. NVIDIA hat den Umsatz den jüngsten Angaben zufolge im dritten Quartal um 62 Prozent auf 57 Milliarden Dollar gesteigert. Der Reingewinn legte ähnlich stark auf 31,91 Milliarden Dollar zu. Für das Schlussquartal 2025 stellte der US-Konzern Erlöse von 65 Milliarden Dollar, plus/minus zwei Prozent, in Aussicht. Die bereinigte operative Gewinnmarge werde voraussichtlich zwischen 74,5 und 75,5 Prozent liegen, hieß es im Ausblick. Diese beeindruckende Gewinnmarge bestätigt die aktuelle Entwicklung bei den Unternehmensgewinnen der Unternehmen des S&P500 Index. Denn die Erwartungen der Analysten haben sich massiv erhöht, sehen Sie selbst (Verlauf der Erwartungen zu den Gewinnsteigerungen im 3. Quartal 2025 ggü. Vorjahr):

Quelle: FactSet
Doch auch für die kommenden Quartale sehen die Erwartungen sehr positiv aus – wobei es keine Überraschung ist, dass die Erwartungen umso höher ausfallen, je weiter sie in der Zukunft liegen (und es ist nicht überraschend dass diese Erwartungen dann seitens der Unternehmen vor Quartalsende nach unten gedrückt werden, um sie dann doch übertreffen zu können). Die Erwartungen der Analysten für die Gewinnentwicklung der kommenden Quartale sieht wie folgt aus:

Quelle: FactSet
Die Gewinnentwicklung ist also per Saldo positiv, wobei dies insbesondere auf die „KI-Aktien“ zurückzuführen ist. Und sobald Zweifel an der Nachhaltigkeit der Gewinne aufkommen, wird der Aktienmarkt nervös, wie dies in den vergangenen Tagen sehr gut nachvollzogen werden konnte. Doch trotz der Nervosität darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die fundamentalen Rahmenbedingungen weiterhin positiv sind. Das übergeordnete Gewinnwachstum bleibt hoch, die Rezessionsrisiken sind derzeit (noch!) gering und auf globaler Ebene dominieren Zinssenkungen („Disinflation“). Zudem ist der Handelsstreit zwischen den USA und China vorerst beigelegt und stellt kurzfristig bis mittelfristig keinen nennenswerten Risikofaktor dar.
Die „Nachhaltigkeit“ der KI-Entwicklung bleibt das Damoklesschwert des Aktienmarktes
Gleichzeitig sind die schwache Marktbreite der „restlichen 493 Aktien des S&P500“ und die hohen Bewertungen eine natürliche Folge des KI-Booms, der bislang nur wenige Gewinner und „Hoffnungsträger“ hervorgebracht hat. In vielen anderen Sektoren herrscht Stagnation oder der verzweifelte Kampf um geringe Umsatz- und / oder Gewinnsteigerungen. Blicken Sie nur auf den Ölpreis, dieser notiert seit vielen Monaten auf sehr niedrigem Niveau. Insgesamt ist diese Zweiteilung der (US-)Märkte ein Muster, das uns voraussichtlich auch 2026 begleiten wird. D.h. die Märkte bleiben zwar äußerlich stabil, innerlich jedoch fragil – und damit anfällig für temporäre Phasen der KI-Ernüchterung – so wie in den letzten Tagen.
Abschließend ein Blick auf den Chart von NVIDIA
Anhand des Charts des weltgrößten Chipkonzerns kann die oben skizzierte Börsenlage sehr gut nachvollzogen werden! Die fundamentale Entwicklung des Unternehmens ist derzeit exzellent – wie oben geschrieben und belegt. Dennoch kann der Aktienkurs derzeit kein neues Hoch ausbilden. Im Gegenteil, es läuft eine (gesunde) Korrektur. Im 1-Jahres-USD-Chart haben wir die sog. Fibonacci-Fächer eingezeichnet und diese durch eine horizontale Unterstützung und zwei Hinweispfeile ergänzt. Sie sehen, dass für den Fall, dass die mehrfach angetestete Unterstützung bei 180 USD nicht hält, das sog. 68% Fibonacci-Retracement und die 200 Tage-Linie in den Fokus rücken. Mit anderen Worten: Der Kurs könnte bis auf 165 USD bzw. 160 USD und somit um weitere rund 8%-10% fallen und würde sich noch immer in einer gesunden Korrektur befinden. Auch wenn wir es angesichts der Einbahnstraße in den letzten Monaten vergessen haben: Korrekturen gehören dazu und „Himmelhochjauchzend“ und „zu Tode betrübt“ gehören zum normalen Stimmungsbild der Börse.

Quelle: stock3, eigene Kommentierung/Zeichnung
Quellen: n-tv.de, DZ Bank AG, stock3.com