Mit der Verkündung einer Waffenruhe in der Nacht zum Mittwoch (8. April) und der Aufnahme von Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA bleibt eine weitere Eskalation im Iran-Krieg zunächst aus. Und dies, obwohl beide Seiten ihre Rhetorik im Vorfeld eskalierten (denken Sie beispielsweise an die Aussage des US-Präsidenten, dass die iranische Zivilisation untergehen werde) und ihre Forderungen dem Vernehmen nach ins Unannehmbare nach oben schraubten. Die USA haben eine Aussetzung der Luftangriffe zugesichert, sollte der Iran die Meerenge wieder für den Schiffsverkehr freigeben. Der Iran hat die Vereinbarung bestätigt und eine „sichere Durchfahrt“ (allerdings unter bestimmten Einschränkungen) zugesagt. Die Einigung ist noch sehr frisch. Insofern können über die tatsächliche Einhaltung der Vereinbarung (v.a. im Hinblick auf die Öffnung der Straße von Hormus) noch keine verlässlichen Angaben gemacht werden. Vor allem aufgrund weiterer israelischer Angriffe im Libanon (noch am Mittwoch) drohte der Iran bereits, die mit den USA vereinbarte Waffenruhe platzen zu lassen. Allerdings haben beide Haupt-Parteien ein Interesse an einer Feuerpause. Im nächsten Schritt sollen am kommenden Freitag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad Verhandlungen über eine längerfristige Lösung beginnen.
Eine dauerhafte Einigung wird schwer zu erreichen sein
Ob überhaupt eine Einigung gelingt, bleibt fraglich. Denn es bleiben einige Stolpersteine, da die Positionen sehr weit auseinanderliegen. Trump hatte seine Forderungen bereits vor zwei Wochen in einem 15-Punkte-Plan formuliert. Darin verlangte Washington von Teheran u.a. die Beschränkung seines Raketenprogramms, die Zerstörung seiner Anlagen zur Urananreicherung, die Aushändigung seines hochangereicherten Urans und die Einstellung der Unterstützung von ausländischen Milizen. Damals wies das iranische Regime die Forderungen als unrealistisch zurück und stellt nun seinerseits Bedingungen. In seinem 10-Punkte-Plan, der nun Grundlage der Verhandlungen in Islamabad sein soll, verlangt Iran die Beendigung aller Angriffe auf das eigene Land und seine ihm getreuen Milizen. Daneben will es auch eine Aufhebung aller Wirtschaftssanktionen, den Abzug amerikanischer Truppen aus der Region und ein Recht auf Urananreicherung. Zudem soll es Garantien der USA und Israels geben, den Iran künftig nicht mehr anzugreifen. Weiter möchte Teheran nicht nur Hüter über die Straße von Hormus bleiben, sondern eine Durchfahrtsgebühr von zwei Millionen US-Dollar pro Schiff verlangen. Diese Forderung ist hingegen weder im Interesse der Golfmonarchien noch im Interesse Europas (weshalb Frankreich die Forderung bereits als inakzeptabel zurückgewiesen hat).
Die Kapitalmärkte reagierten erleichtert
Am Mittwoch reagierten die Kapitalmärkte sehr erleichtert. Der Ölpreis gab spürbar nach und sank unter die Marke von 100 US-Dollar je Barrel der Sorte Brent. An den Aktienmärkten waren massive Kurzuwächse zu verzeichnen und an den Anleihemärkten gaben die Renditen sowohl für 2jährige als auch für 10jährige deutsche Staatsanleihen deutlich nach.

Zwar bleibt die Lage für den Moment fragil, gleichzeitig gehen wir aber davon aus, dass die nun verkündete Waffenruhe hält und in der Folge weitere Vereinbarungen für eine dauerhafte Beendigung des militärischen Konflikts getroffen werden – selbst wenn dafür mehr Zeit benötigt werden sollte und die zweiwöchige Feuerpause dafür zunächst verlängert werden müsste. Dennoch sehen wir im Moment eine Rückkehr in das konstruktive Kapitalmarktumfeld, welches vor Ausbruch des Krieges noch vorherrschte, als nicht gesichert an. Wie schon in den bisherigen Blogs geschrieben, sind die Leitzinserwartungen während des Krieges deutlich gestiegen. Die entscheidende Frage ist nun, wie stark diese Erwartungen von nun an wieder sinken. Bleiben sie auf diesem Niveau, könnten viele Branchen leiden – und die Stichworte „Inflation“, „Stagnation“, „Rezession“ gewinnen an Bedeutung. Bitte denken Sie an dieser Stelle an die Berichte der IEA, welche seit Beginn des Krieges 65 beschädigte Energieanlagen in der Golfregion zählt, ein Drittel davon schwer bis sehr schwer. Dies bedeutet eine Verkleinerung des Energieangebots (sofern Russland als Ölexporteur in Folge eines Friedens in der Ukraine nicht an den Verkäufer-Tisch zurückkehren wird). Und Reedereien werden mit Sicherheit deutlich erhöhte Versicherungsprämien für ihre Tanker fordern. Sinkende Zinsen könnten dagegen den aktuellen Kursanstieg bei Aktien nachhaltiger machen. Darauf kommt es u.E. in den kommenden Wochen an: Verankern sich die Inflationserwartungen oder nicht – und führen sie zu dauerhaft höheren Zinsen oder nicht?

Wie lautet das aktuelle Fazit?
Bleibt die Frage, was mit dem Krieg gewonnen wurde. Für Trump wird am Verhandlungstisch schwer zu erreichen sein, was er durch den Krieg nicht erreichen konnte: Das Regime ist weiterhin an der Macht und laut Medien scheint es so zu sein, dass der Iran immer noch hochangereichertes Uran besitzt. Mit seinem Rückzieher gesteht der US-Präsident ein, dass eine Öffnung der Meerenge mit militärischen Mitteln kaum zu erreichen ist. Der Iran geht also gestärkt in die Verhandlungen, denn die Straße von Hormus wird wohl nun zum Dreh- und Angelpunkt der Verhandlungen. Das iranische Regime hat in den letzten Wochen eindrücklich demonstriert, dass es mit der Meerenge ein extrem effektives Abschreckungsinstrument in der Hand hat. Ob die (westliche) Welt mit diesem Krieg sicherer geworden ist? Wir sind skeptisch.