Iran-Eskalation trifft auf wichtige Börsenwoche

Die Lage am Persischen Golf hat sich zuletzt wieder zugespitzt. US-Präsident Donald Trump erklärte die Absichtserklärung zur Beendigung des Konflikts für hinfällig. Zuvor waren nach Angaben der britischen Seefahrtsbehörde UKMTO drei Tanker in und nahe der strategisch wichtigen Straße von Hormus von unbekannten Projektilen getroffen worden. Darunter war auch ein katarischer Flüssiggas-Tanker. Am Dienstagabend setzten die USA daraufhin Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft, wenig später griffen sie als Reaktion auf die Schiffsattacken Ziele im Iran an.

Man kann also sagen, dass der Iran-Krieg zumindest wieder aufgeflammt ist. Zumal die US-Streitkräfte ausschließlich Luftangriffe durchführten und dabei laut Medienberichten meist etwa 70-100 Ziele trafen, um Teherans Fähigkeit, die Handelsschifffahrt zu bedrohen, weiter zu schwächen. Dies klang nach begrenzten Militärschlägen und nicht nach einer groß angelegten Eskalation, weshalb die Börsen mit Ausnahme des Ölpreises auch recht „abgebrüht“ reagierten.

Für Europa wäre eine schnelle Beruhigung wünschenswert, denn die Europäische Zentralbank (EZB) hat erst kürzlich darauf hingewiesen, dass die Wirtschaft längst nicht mehr so abhängig von Öl ist wie noch Anfang der 1990er Jahre. Dennoch würde das BIP-Wachstum im Euro-Währungsgebiet in den ersten 3 Jahren nach einem geopolitischen Angebotsschock, der den Ölpreis um 10% erhöht, um etwa 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte niedriger ausfallen. Dies wäre in Zeiten des „Niedrigwachstums“ ein schlechtes Signal! Dabei gilt weiterhin: Ölpreise von ca. 80 USD je Barrel sind noch kein großes Problem für die Wirtschaft. Das ist erst jenseits von 100 USD der Fall. Und auch nur, wenn derartig hohe Ölpreise auf Dauer sind.

 

Quelle: DZ Bank AG / Infront, Zeitraum YTD 2026

Profitieren konnten überraschenderweise die „KI-Aktien“, denn diese haben derzeit den Charakter eines sicheren Hafens, wie ihn früher Gold innehatte. Das bedeutet allerdings auch: Sollte es Signale der Entspannung geben, kann sich das sehr schnell wieder ändern. Man muss also derzeit wieder verstärkt mit plötzlichen Richtungswechseln und starken Kursausschlägen rechnen!

Apropos Gold: Die aktuellen Ereignisse haben zudem die Sorgen vor einer steigenden Inflation und somit vor steigenden (Leit-)Zinsen geschürt. Entsprechend stiegen die Renditen am Anleihemarkt und führten zu einem anhaltenden „Kampf um 4.000 USD“ bei Gold.

US-Inflation und die Fed

Die Aktienmärkte konnten sich über einen deutlichen Rückgang der Inflation in den USA freuen. Im Juni sind die Verbraucherpreise um -0,4% gegenüber dem Vormonat gesunken (Konsensprognose: -0,1%). Dies ist auf deutlich niedrigere Energie- bzw. Benzinpreise (-9,7%) zurückzuführen, die eine zwischenzeitliche Entspannung im Iran-Krieg mit sich brachte. In der Kernrate, bei der die volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise ausgeklammert werden, blieben die Kosten für die Verbraucher hingegen unverändert (+0,0%, erwartet wurden +0,2%). Auch die jährliche Kernrate gab im Juni überraschend deutlich nach, von +2,9% im Mai auf nun noch +2,6% gegenüber dem Vorjahr. Die Erwartungen lagen im Durchschnitt bei +2,8%.

Fed-Chef Kevin Warsh hat nun gute Argumente, den Leitzins der US-Notenbank (Fed) zunächst unverändert zu lassen. Am Mittwochabend um 20:00 Uhr verkündet die Fed ihren Zinsentscheid, um 20:30 Uhr tritt Warsh vor die Presse. Das Zielband für die Fed Funds Rate liegt seit Dezember 2025 unverändert bei 3,50 bis 3,75%. Laut dem FedWatch Tool der CME Group liegt die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Zinspause bei ungefähr zwei Dritteln. Verbunden mit den Quartalszahlen von Microsoft, Meta, Apple und Amazon steht daher wohl die wichtigste Woche des Börsensommers an! Neben den Schwergewichten berichten in den USA unter anderem Boeing, Coca-Cola, PayPal, Visa und Ford (Dienstag), Qualcomm, Lam Research und Arm (Mittwoch), Mastercard und Coinbase (Donnerstag) sowie ExxonMobil und Chevron (Freitag). In Asien öffnen mit SK Hynix (Dienstag) und Samsung Electronics (Donnerstag) zwei weitere KI-Profiteure ihre Bücher.

Lichtblick aus Deutschland

Unterdessen hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im Juli bereits deutlich verbessert. Das ifo-Geschäftsklima stieg von revidierten 85,7 Punkten im Juni auf 86,6 Punkte, wie das ifo-Institut am Montag mitteilte. Es ist der dritte Anstieg in Folge und der höchste Stand seit Februar. Ökonomen hatten lediglich mit 86,0 Punkten gerechnet. Für Auftrieb sorgten vor allem die Geschäftserwartungen: Der entsprechende Teilindex kletterte von 84,3 auf 86,7 Punkte. Die aktuelle Lage bewerteten die rund 9.000 befragten Unternehmen mit 86,5 Punkten nach 87,0 Punkten im Vormonat dagegen etwas schlechter. Ifo-Präsident Clemens Fuest sprach von einer deutschen Wirtschaft, die sich trotz der Unsicherheit am Persischen Golf „weniger pessimistisch“ zeige. Eine belastbare konjunkturelle Trendwende lässt sich daraus jedoch noch nicht ableiten, immerhin liegt das ifo-Geschäftsklima im langjährigen Vergleich weiter auf einem niedrigen Niveau.

 

Disclaimer: Dieses Dokument wurde durch die Volksbank Kraichgau eG erstellt. Es dient ausschließlich lnformationszwecken und stellt weder ein öffentliches Angebot noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Erwerb von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten dar. Dieses Dokument ist keine Finanzanalyse. Alle hierin enthaltenen Bewertungen, Stellungnahmen oder Erklärungen sind diejenigen des Verfassers des Dokuments und stimmen nicht notwendigerweise mit denen dritter Parteien überein. Die Volksbank Kraichgau eG übernimmt keine Haftung für unmittelbare oder mittelbare Schäden, die durch die Verteilung und/oder Verwendung dieses Dokuments verursacht werden und/oder mit der Verteilung und/oder Verwendung dieses Dokuments im Zusammenhang stehen. Eine Investitionsentscheidung bezüglich irgendwelcher Wertpapiere oder sonstiger Finanzinstrumente sollte auf der Grundlage eines Beratungsgesprächs sowie Prospekts oder Informationsmemorandums erfolgen und auf keinen Fall auf der Grundlage dieses Dokuments. Die Inhalte dieses Dokuments entsprechen dem Stand zum Zeitpunkt der Erstellung des Dokuments. Sie können aufgrund künftiger Entwicklungen überholt sein, ohne dass das Dokument geändert wurde.