Wenn es eine Anlageregel gibt, die so simpel wie verlockend klingt, dann ist es diese: Kaufe die zehn Dow-Jones-Aktien mit der höchsten Dividendenrendite – und warte ein Jahr ab. Die „Dogs of the Dow“ nennt man diese Strategie, die auf der Annahme beruht, dass unterbewertete Blue Chips nach einer Schwächephase wieder aufholen. Die Zusammenstellung der 10 Titel erfolgt immer zu Jahresanfang. Und es gab einige Jahre, in denen weder die Performance noch die Nachfrage nach dieser Strategie von Interesse war. Doch dies hat sich geändert.
In den USA wird stark selektiert
Wie die Bespoke Investment Group mit untenstehender Grafik berichtet, versucht der (US-)Markt aktuell, zwischen Gewinnern und Verlierern der Entwicklungen rund um das Thema Künstliche Intelligenz (KI) zu unterscheiden. Und dabei werden die möglichen Gewinner (weiterhin) gekauft, werden die vermeintlichen Verlierer (inzwischen) abgestraft und deren Aktienkurse nach unten geprügelt werden. Doch nicht nur das – das Geld fließt auch wieder in „langweilige“ Aktien wie z.B. Nahrungsmittel- Industrie- oder Ölaktien:

Die Abverkäufe – gerade im KI- und Softwarebereich – sind enorm und treffen auch die bisherigen Lieblinge mit voller Wucht. Unter anderem haben die Aktien der „Magnificent 7“ (Mag7) zumindest teilweise schon einen Bärenmarkt durchgemacht (oder sind noch dabei – genau weiß man das nicht). Ein „Bärenmarkt“ gilt laut Faustformel ab Kursverlusten von 20 %.
- NVIDIA-Aktien haben seit ihrem Rekordhoch vom 29. Oktober rund 20% verloren
- Tesla hat seit dem Rekordhoch vom 22. Dezember -22% eingebüßt
- Amazon hat seit dem Hoch vom 3. November fast ein Viertel (-24%) verloren
- Meta Platforms hat vom 15. August bis zum 19. November -27% hinnehmen müssen
- Microsoft kommt mit dem Tief von Anfang der Woche sogar auf mehr als -30 % seit einem Hoch vom 24. Oktober
Unter dem Strich kommt der US-Aktienmarkt, gemessen am Standardindex S&P500, nicht vom Fleck. Hier der passende Chart, der grüne Strich zeigt den ersten Kurs am Jahresbeginn, der orangefarbene Strich den aktuellen Kurs. Differenz: nur wenige Punkte:

Quelle: DZ Bank AG / Infront
Das ist angesichts der Formel „Aktien mit hohem Gewicht erleiden einen hohen Verlust“ ein positives Zeichen! Und dies ist eben nur möglich, da z.B. auch Aktien wie die „Dogs of the Dow“ nun massiv gefragt werden:

Quelle: Stock3
Und selbst das „Zoll-Chaos“ kann diese Situation im Moment nicht durchbrechen, weder positiv noch negativ. Man kann den Eindruck gewinnen, dass Aktienmarktakteure hier langsam etwas „abstumpfen“. Betrachtet man nur die Zölle an sich, so fallen diese nun global betrachtet etwas niedriger aus als zuvor. Mit dem Wegfall der rechtswidrigen („reziproken“) Zölle ging der Durchschnittszoll laut Schätzungen von rund 16% auf etwa 9% zurück, durch einen neuen globalen Warenzoll von 15% läge der aktuelle Durchschnittszoll bei geschätzt knapp 13,7%:

In Summe lässt sich festhalten, dass es durchaus positiv ist, dass die „493“ restlichen Aktien im S&P500 in der Lage sind, die hohen Verluste der „Mag7“ auszugleichen. Die „Mag7“ wiederum durchlaufen ein lange erwartetes „Repricing“ – analog Frühjahr 2025. (Bisher) kein „crash“, Aktienmärkte behaupten sich, Selektion oder breite Streuung sind weiterhin angesagt. Und denken Sie daran: manchmal sind die Verlierer von heute die Gewinner von morgen…