Die USA haben gewählt

Der Kandidat hat nicht geliefert, was versprochen war. Wer Frieden verspricht und Krieg anzettelt, wer Wohlstand in Aussicht stellt und das Leben unbezahlbar macht, hat keine Chance. Was wir in den USA am 03.11.2026 erlebt haben, ist kein Betriebsunfall. Das ist das Betriebssystem der Demokratie. Die Demokraten haben die eindeutige Mehrheit in beiden Kammern, also dem Senat und dem Repräsentantenhaus errungen. Und der (weiterhin) amtierende US-Präsident hat die Wahlniederlage seiner Partei anerkannt und sich bisher sehr gemäßigt gezeigt. Ein Szenario, welches von vielen Menschen erträumt, aber nicht wirklich erwartet wurde. Die Sitzverteilung in den US-Kammern sieht nun wie folgt aus:

 

Die Börse feierte am Tag der Ergebnisverkündung eine Party, nahezu alle Kurse gingen kräftig nach oben. Und am Tag danach? Katerstimmung!

Nasdaq-100 mit dem höchsten Tagesverlust seit Corona!

An der Wall Street beginnt nach den US-Zwischenwahlen statistisch eine der stärksten Börsenphasen. Seit 1946 lag der S&P 500 zwölf Monate nach jeder der 20 Zwischenwahlen im Plus, im Durchschnitt um 15 Prozent. Doch diesmal richtet sich der Blick vor allem auf den Iran. Nach dem Wahlsieg der Demokraten in beiden Kongresskammern brachen die Brent-Ölfutures zeitweise um fast 9 Prozent auf rund 94 US-Dollar je Barrel regelrecht ein. Anleger hoffen also, dass der wachsende politische Druck der Demokraten auf Donald Trump den Irankrieg einer diplomatischen Lösung näherbringt. Sinkende Ölpreise könnten Inflation und Zinsdruck dämpfen, neue Militärschläge aber das Gegenteil bewirken. Die historische Midterm-Rally bekommt damit einen geopolitischen Vorbehalt: Die Hoffnung auf Frieden muss sich erst noch bestätigen. Und genau in diese Gemengelage mischt sich eine neue Sorge, welche von den Demokraten ausgeht. Blicken wir auf den Technologieindex Nasdaq-100, damit Sie nachvollziehen können, wie angespannt die Lage ist:

 

Quelle: stock3.com, charttechnische Kommentierung durch die VB Kraichgau

 

Ausgehend vom Hoch 31.000 Punkte hatte der Technologieindex in den vergangenen vier Wochen bereits den Rückwärtsgang eingelegt und rund 15% verloren. In diese Phase fielen auch die massiven Tagesverluste einiger prominenter Aktiengesellschaften:

  • Intel -29% am 30.10.2026
  • Servicenow -24% am 02.11.2026
  • Alphabet -13% am 29.10.2026

Diese massiven Abverkäufe waren das Resultat von enttäuschten Erwartungen im aktuellen Zahlenwerk des dritten Quartals – welches generell aber nicht schlecht ausfiel! Für erhebliche Unruhe sorgten nun gestern verkündete Forderungen einzelner demokratischer Abgeordneter nach einer stärkeren Regulierung der KI-Industrie bis hin zu einem möglichen Baustopp für neue Rechenzentren. Berichten zu Folge wurde der einsetzende Verkaufstrend dann durch Positionsbereinigungen von Hedgefonds. Und so gerieten viele Halbleiter- und „KI-Aktien“ zweistellig ins Minus.

Geht der Ausverkauf weiter oder beruhigt sich die Lage?

Die Angst vor einer Regulierungswelle gegen die amerikanische KI-Industrie halten wir für überzogen. Damit würden die Vereinigten Staaten ihre technologische Führungsposition gegenüber China aufs Spiel setzen. Auch ein mögliches Rechenzentrums-Moratorium würde Investitionen eher verlagern als verhindern. Im globalen Wettbewerb kann es sich kein führendes Technologieunternehmen leisten, seine Investitionen dauerhaft auszusetzen. Und wer in den USA nicht bauen darf, baut eben woanders. Der Abverkauf spiegelt eher den Stimmungsumschwung und die Bereinigung einseitiger Positionen wider. Bisher stand vor allem die Höhe der Investitionen (Capex) im Mittelpunkt. Nun rücken die Finanzierungskosten und die tatsächlich erzielbaren Kapitalrenditen (ROI) stärker in den Fokus. Aber natürlich muss man sich eine Gefahr vor Augen halten: Es ist noch keine Panik erkennbar – und sollte sich diese in der kommenden Woche noch einstellen, könnte dies eine weitere Abverkaufswelle zur Folge haben. Einen generellen crash oder eine monatelange Korrekturphase erachten wir allerdings im Moment als wenig wahrscheinlich – dafür ist sowohl die globale Konjunktur als auch die aktuelle Berichtssaison zu stark.

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