Noch nicht alle der 500 Unternehmen des US-Leitindex S&P500 haben ihre Ergebnisse für das abgelaufene zweite Quartal des Jahres veröffentlicht. Dennoch ziehen wir ein positives Fazit: Die Earnings Season war überzeugend! Bislang haben rund 90 % der Unternehmen aus dem S&P 500 ihre Geschäftsberichte veröffentlicht. Von diesen haben 86 % die Gewinnerwartungen übertroffen – der 5-Jahres-Durchschnitt liegt bei 78 %, in den vergangenen 10 Jahren waren es 76 %. Insgesamt liegen die erzielten Gewinne der Unternehmen um +29,2 % über den Prognosen. Auch dies liegt über dem 5-Jahres-Durchschnitt (+7,0 %) und dem 10-Jahres-Durchschnitt (+7,4 %). Sollte der Wert am Ende der noch laufenden Berichtssaison tatsächlich bei +29,2 % landen, wäre dies die größte positive Gewinnüberraschung seit Beginn der Aufzeichnungen durch FactSet im Jahr 2008. Der aktuelle Rekord liegt bei +23,2 % und wurde im 2. Quartal 2020 erzielt. Allerdings sollte man beachten, dass die durchschnittlichen Gewinne (erneut – siehe erstes Quartal) durch Alphabet und Amazon stark verzerrt werden. Ohne diese beiden Unternehmen würde der Prozentsatz positiver Gewinnüberraschungen von +29,2 % auf +10,9 % sinken. Zwar liegt auch dieser Wert über dem 5- und 10-Jahres-Durchschnitt, jedoch weit weniger deutlich.
Alles „Friede, Freude, Eierkuchen“?
Angesichts der robusten und sehr positiven fundamentalen Ergebnisse erscheint es wenig überraschend, dass die viele Aktienindizes nahe oder auf Allzeithoch befinden. Blicken wir auf den erwähnten US-Leitindex S&P500:

Quelle: stock3, eigene Kommentierungen und Zeichnungen
Die Konsolidierung der Halbleiteraktien ging am Index fast spurlos vorüber und nachdem die Gefahr eines „Rutsch“ unter 7.200 Punkte gebannt war, ging es zügig in die andere Richtung. Bisher sieht das alles vernünftig aus. Die gerade erwähnte Konsolidierung der Halbleiteraktien lag im Übrigen bei manchen Werten bei 50% und darüber, wie das Handelsblatt vor wenigen Tagen zeigte:

Nachdem also auch diese Übertreibung abgebaut wurde, könnte ein entspannter Sommer vor uns stehen, wären da nicht die Renditen. Wir haben schon häufig darauf hingewiesen, dass unserer Meinung nach der Anleihenmarkt ein anderes Szenario als der Aktienmarkt preist. Im Moment bedeutet dies: strukturell höhere Inflation und somit steigende langfristige Renditen am US-Anleihemarkt (in Europa im übrigen genauso…). Die Kollegen von HSBC Deutschland haben hierzu heute folgenden Chart veröffentlicht:

Das Team um Dr. Jörg Scherer schrieb dabei „…Gelingt der Sprung über diese Hürden (4,74% / 4,81%), dann müsste die Kursentwicklung seit Anfang 2025 als sog. „rounding bottom“ interpretiert werden. Das rechnerische Kursziel aus der beschriebenen Formation lässt sich im Erfolgsfall auf 5,65 % veranschlagen…“. Es bleibt also spannend, denn wir denken nicht, dass ein Renditeniveau deutlich über 5% bei 10jährigen US-Treasuries spurlos am Aktienmarkt vorbeiziehen dürfte. Dennoch überwiegt derzeit die positive Stimmung auf Grundlage der „Earnings Season“ und daran kann man sich als Investor orientieren.
Unsere Einschätzung: Zuversicht ja, aber mit Absicherung
Mit Blick auf die Sommermonate gilt daher weiterhin unser Ratschlag: Orientierung an den individuell „passenden“ Allokationsgewichten – und aktives Risikomanagement.
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