„We would not really invest in a currency that is going to hell” – mit diesen Worten sorgte Warren Buffett Anfang Mai 2025 beim Aktionärstreffen von Berkshire Hathaway für Schlagzeilen. Normalerweise ist der US-Dollar (USD) der Fels in der Brandung, die Währung, auf die man sich in Krisenzeiten verlassen kann. Doch inzwischen scheint dieses Bild zu bröckeln. Donald Trump sorgt mit seiner unberechenbaren Politik, neuen Handelszöllen und Angriffen auf Institutionen für Unsicherheit und der USD hat seit Jahresbeginn gegenüber dem Euro (EUR) rund 13% verloren. Ist das nur eine kurzfristige Reaktion der Märkte oder steckt ein tieferliegender Trend dahinter?
Der USD als sicherer Hafen
Über Jahrzehnte galt der USD als Dreh- und Angelpunkt der Weltwirtschaft. Rohstoffe wie Öl oder Gold werden in USD gehandelt, internationale Zahlungen laufen häufig über US-Systeme wie SWIFT und Zentralbanken überall auf der Welt halten große USD-Reserven. Kurz gesagt: Ohne den USD ging lange Zeit fast nichts. Genau dieses Vertrauen hat jedoch in den letzten Monaten Risse bekommen. Politische Eingriffe in die Notenbank-Struktur, weiter steigende Staatsschulden und der konfrontative Kurs der US-Regierung gegenüber bisherigen Handels- und zum Teil Bündnis-Partnern lassen Zweifel wachsen. Mit Blick auf die Entwicklung des USD gegenüber EUR in den vergangenen 5 Jahren wird die seit Jahresbeginn 2025 wachsende Skepsis sehr gut deutlich:

Quelle: DZ Bank AG / Infront, Färbung und Pfeile: Volksbank Kraichgau eG
Fast perfekt am Jahresstart begann die USD-Schwäche gegenüber dem EUR – immerhin nach einer massiven USD-Stärke 2021/2022 (roter Pfeil) und einer Seitwärtsphase (gelbes Rechteck). Sollten die alten charttechnischen Muster greifen, sollte im EUR/USD-Verhältnis die Marke 1,20 in absehbarer Zeit wieder erreicht werden. Doch was ist die Erklärung hierfür? Nun, wenn das Fundament wackelt, verlieren Investoren Vertrauen und genau das ist für eine Währung sehr gefährlich. Hinzu kommt, dass US-Präsident Trump mit seinen Aussagen und Maßnahmen auch das Bild der USA als Stabilitätsanker beschädigt. Institutionen wie die US-Notenbank Federal Reserve (FED), die Justiz oder auch die unabhängige Presse galten über Jahrzehnte als zentrale Stützen, die das Vertrauen in den USD in Krisenzeiten gestärkt haben. Wenn diese Grundpfeiler geschwächt werden, verliert auch die Währung an Strahlkraft.
Weniger Globalisierung, mehr Eigenständigkeit
Neben den kurzfristigen Schlagzeilen spielt ein struktureller Trend eine wichtige Rolle: Die Weltwirtschaft wird fragmentierter. Die USA und China bauen ihre eigenen Einflussbereiche auf und viele Länder versuchen, weniger abhängig vom USD zu werden. „De-Dollarization“ nennen Experten diesen Prozess. Er wird Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, doch er hat längst begonnen. Gut ablesbar im Übrigen an der Entwicklung des Goldpreises, da schon seit Jahren viele internationale Notenbanken Goldbestände – zum Teil zu Lasten von USD-Beständen – erhöhen und somit den Preis weiter treiben. Bisher war die Dominanz des USD auch ein Ergebnis von Netzwerkeffekten. Je mehr Länder den USD für Handel und Finanztransaktionen nutzten, desto größer war der Vorteil, ihn ebenfalls zu verwenden. Wenn sich diese Netzwerke jedoch auflösen, weil Regionen wie China oder auch Europa stärker auf eigene Systeme setzen, verliert der USD einen Teil seiner Sonderstellung. Noch ist der US-Kapitalmarkt ohne echte Alternative, vor allem bei Staatsanleihen. Aber die Richtung ist klar: Die Bedeutung des USD-Blocks schrumpft im Verhältnis zu einem stärker fragmentierten globalen System.
US-Exceptionalism auf dem Prüfstand
Ein zweiter Aspekt betrifft den sogenannten „US-Exceptionalism“. Gemeint ist die überproportionale Stärke der US-Wirtschaft und insbesondere ihrer Unternehmen, die über Jahre hinweg die globalen Märkte dominiert haben. Vor allem Tech-Giganten wie Apple, Microsoft oder NVIDIA galten als unantastbar und sorgten dafür, dass amerikanische Aktien in fast jedem internationalen Portfolio übergewichtet waren. Doch zuletzt kamen Zweifel auf. Handelskonflikte bremsten die Wachstumsaussichten, europäische Märkte holten auf und mit „DeepSeek“ brachte China ein KI-Modell heraus, das plötzlich eine vermeintlich echte und deutlich günstigere Konkurrenz zu den US-Unternehmen darstellt. Hinzu kam ein politischer Stimmungswechsel in Europa, wo Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung wieder stärker angetrieben werden. All das ließ die vermeintliche Selbstverständlichkeit, dass US-Aktien immer besser laufen als europäische Aktien, zumindest wackeln. Auch wenn sich die Kurse vieler US-Titel mittlerweile wieder erholt haben und die Gewinnerwartungen nach wie vor solide sind, bleibt der USD selbst schwach. Auffällig ist, dass das frühere Muster nicht mehr funktioniert: Früher stieg der USD oft, wenn Aktien fielen, weil Anleger in die vermeintlich sichere Währung flüchteten. Dieses Zusammenspiel hat zuletzt nicht mehr gegriffen. Viele internationale Investoren sichern ihr USD-Risiko deshalb gezielt ab, bevor sie in US-Aktien investieren.
Was bleibt offen?
Auch wenn die aktuelle Dollar-Schwäche viel mit Politik und Vertrauen zu tun hat, bleibt die entscheidende Frage: Handelt es sich um eine vorübergehende Phase oder um den Beginn einer neuen Währungsordnung? Werden Alternativen wie der chinesische Renminbi oder digitale Zentralbankwährungen dem USD tatsächlich Konkurrenz machen können? Oder ist die US-Währung am Ende trotz aller Zweifel so tief im globalen Finanzsystem verankert, dass sie nicht ernsthaft verdrängt werden kann?
Fazit
Trump mag ein Auslöser sein, aber die USD-Schwäche hat auch tiefere Ursachen. Für Anleger bedeutet das: Währungsrisiken müssen ernst genommen und bewusst gesteuert werden. Der USD bleibt zwar auf absehbare Zeit die wichtigste Währung der Welt, doch die Zeiten, in denen er fast automatisch als sicherer Hafen galt, sind vorbei. Ob die US-Währung am Ende wieder an Stärke gewinnt oder Schritt für Schritt an Bedeutung verliert, bleibt offen. Klar ist nur: Für Investoren lohnt es sich heute mehr denn je, genauer hinzuschauen und nicht blind auf alte Gewissheiten zu vertrauen.
Quelle: Union Investment