Heute ist Martin Luther King-Day in den USA. Ein Feiertag, an welchem an der Börse nicht gehandelt wird. Die Future-Märkte handeln allerdings und was wir dort sehen, sieht nicht gut aus:

Quelle: LSEG by ZeroHedge
Der Nasdaq-Index hat in der jüngeren Vergangenheit eine klassische „Keilformation“ ausgebildet und hat diese nun nach unten hin aufgelöst. Auch die 50-Tage-Linie wurde unterhandelt und die 100-Tage-Linie ist in unmittelbarer Reichweite. Dies bedeutet unter charttechnischen Gesichtspunkten, dass sich der Abwärtsimpuls entweder nach unten hin beschleunigt oder – im Falle eines Fehlsignals – nach oben hin den „Gegenimpuls“ entwickelt. Es wird also richtig spannend in den kommenden Tagen und Wochen.
Was ist passiert bzw. was ist der Grund? Grönland!
US-Präsident Donald Trump hat den Plan der Vereinigten Staaten mehrfach öffentlich deutlich unterstrichen, die zum Königreich Dänemark gehörende Insel aus Gründen der nationalen Sicherheit übernehmen zu wollen. Acht europäische Länder (u.a. Deutschland, Frankreich und Großbritannien) haben sich daraufhin auf die Seite Kopenhagens gestellt und Militärdelegationen nach Grönland geschickt. Am Wochenende gab Trump nun bekannt, diese Staaten mit zusätzlichen Zöllen in Höhe von zunächst 10 Prozent (ab dem 1. Februar, steigend auf 25 Prozent ab 1. Juni, falls bis dahin keine Einigung erzielt wird) auf Einfuhren in die USA belegen zu wollen. Die Europäische Kommission in Brüssel koordiniert derzeit eine Antwort. Die Rede ist von substanziellen Gegenmaßnahmen.
Wie ist dies einzuordnen? Hier die Einschätzung von Union Investment:
Ähnlich wie bei den Ereignissen der vergangenen Wochen (Stichwort Venezuela) schätzt Union Investment (UI) die Kapitalmarktimplikationen auch in diesem Fall für begrenzt und nicht nachhaltig ein.
Erstens hält UI eine militärische Eskalation aktuell für sehr unwahrscheinlich. Ähnlich wie in der Diskussion um die Unabhängigkeit der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zeigen Teile des US-Kongresses auch bei NATO-relevanten Entscheidungen Anzeichen für Widerstand gegen die Pläne des US-Präsidenten. Zudem zeigt die Situation im Nahen Osten (Iran), dass die Vereinigten Staaten militärisch derzeit eher eingeschränkt handlungsfähig sind. Dort fehlt aktuell ein US-Flugzeugträger als Verstärkung, falls es im Zuge eines US-Eingriffs zu iranischen Gegenangriffen auf US-Stellungen oder – vor allem – auf Israel kommen sollte vor diesem Hintergrund dürfte eine weitere militärische Operation derzeit kaum opportun erscheinen, selbst wenn die Einnahme Grönlands militärisch kaum eine Herausforderung für die US-Armee darstellen dürfte.
Was die Zölle selbst betrifft, ist auch deren Einführung ebenfalls unwahrscheinlich. Auch hier haben die letzten Wochen und Monate gezeigt, dass Trumps Zollankündigungen zusehends weniger Taten folgen. Angedrohte Zölle, z.B. gegen Handelspartner Venezuelas, Russlands oder des Iran, oder auch Pharmazölle wurden bislang nicht umgesetzt. Gleichzeitig wurden Zölle auf einzelne, für Konsumenten besonders sichtbare Produkte (z.B. Nahrungsmittel) von der Öffentlichkeit kaum beachtet ausgesetzt. Auch die jüngsten Sektorzölle fielen deutlich schwächer und beschränkter aus, als noch vor einigen Monaten zu erwarten war. US-Präsident Trump kann sich angesichts der Unzufriedenheit der amerikanischen Öffentlichkeit aufgrund anhaltend hoher Preise unserer Einschätzung nach innenpolitisch derzeit keine zusätzlichen Zölle leisten. Insofern wird es unserer Meinung nach vorerst bei den Drohungen bleiben – in der Hoffnung, dass die NATO-Partner unter dem Druck einknicken.
Hinzu kommt, dass operativ unklar ist, wie Zölle gezielt gegen einzelne europäische Länder umgesetzt werden sollen. Die EU ist ein gemeinsamer Handelsraum, handelspolitische Maßnahmen richten sich grundsätzlich gegen die EU als Ganzes. Bei den Unterstützern handelt es sich aber um sechs EU-Länder plus Nicht-Mitglieder wie Norwegen und Großbritannien, was das Vorhaben (bzw. dessen Wirksamkeit) verkompliziert. Darüber hinaus ist offen, ob die rechtliche Grundlage, die vermutlich für diese Zölle herangezogen würde, der aktuellen Prüfung durch den Obersten Gerichtshof der USA („Supreme Court“, kurz SCOTUS) standhalten würde. Wir gehen davon aus, dass SCOTUS gegen Trump entscheidet, möglicherweise schon im Verlauf dieser Woche. Gegebenenfalls ist das vielleicht sogar das Kalkül der Einführung zum 1. Februar, denn eine Ablehnung liefert womöglich der US-Administration einen gesichtswahrenden Ausweg aus der Eskalation. Insgesamt bleibt das Thema damit wohl öffentlich präsent.
Letztlich dürften die Auswirkungen somit zwar politisch bedeutsam sein, aber sich kaum als nachhaltig kapitalmarktrelevant erweisen.
Erwartung: es bleibt „laut“
Die vergangenen Wochen haben einen Vorgeschmack auf 2026 geliefert. In den USA stehen im Herbst Zwischenwahlen an („midterm elections“) und seit Amtseinführung kann Trump innenpolitisch bislang kaum Erfolge vorweisen. Laut Umfragen steht er bei seinen normalerweise stärksten Themen – Wirtschaft und Immigration – erheblich unter Druck. Öffentlichkeit und Kapitalmärkte können sich daher vermutlich darauf einstellen, dass die Strategie der fortlaufenden verbalen Eskalation im laufenden Jahr auf Hochtouren laufen wird – ohne, dass aus dieser auf den öffentlichen Effekt bzw. die Provokation ab-zielenden Strategie zwingend kapitalmarktrelevante Handlungen erfolgen müssen. Für Anlegerinnen und Anleger gilt es daher, Ruhe zu bewahren und den kommunikativen „Lärm“ von tatsächlichen Handlungen und deren Folgen zu unterscheiden.
Quelle: Union Investment
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