Aktienmarkt: Die Nervosität steigt

Die Euphorie um Künstliche Intelligenz (KI), welche die Aktienmärkte lange Zeit beflügelt hat, weicht immer mehr einer tiefgreifenden Nervosität. Es geht dabei nicht um die Frage, ob die „Mag7-Aktien“ überbewertet sind, sondern um die fundamentalen, disruptiven Kräfte, die diese Technologie auf die gesamte Wirtschaft ausüben könnte. Die „Mag7-Aktien“ bauen in dieser Marktphase ihre bestehende Überbewertung deutlich ab. Hier der Vergleich der populären Aktien Apple, Amazon, Alphabet und Microsoft mit dem US-Standardindex S&P500 in diesem Jahr:

 

Quelle: DZ Bank AG / Infront

 

Die Ironie dabei ist, dass die KI, die einst als großer Wachstumstreiber für etablierte Technologie-Unternehmen gefeiert wurde, nun zu einer größeren Bedrohung werden könnte. Nicht börsennotierte KI-Unternehmen wie Anthropic und OpenAI bringen neue leistungsstarke KI-Modelle für die unterschiedlichsten Anwendungsmöglichkeiten am laufenden Band auf den Markt, die oft günstiger und schneller sind als die Angebote der etablierten Unternehmen. Dies erzeugt einen enormen Kosten- und Innovationsdruck und kann unter Umständen die langfristigen Geschäftsmodelle infrage stellen. So geschehen beispielsweise beim Spielentwickler Take-Two, bei dem „pdf-Pionier“ Adobe oder bei den Medienkonzernen RELX und Wolters Kluwer. Sehen Sie deren Wertentwicklung im Jahr 2026 im Vergleich zum S&P500 (daher alle Kurse in USD):

Quelle: DZ Bank AG / Infront

 

Wo Schatten, da auch Licht

Doch es gibt auch Gewinner: nämlich die im Jahr 2025 verschmähten „Konsum- u. Defensiv-Aktien“ wie sie bei Lebensmitteln, Pharma und in der (Öl-)Industrie zu finden sind. Es überrascht daher auch nicht, dass der Dow Jones, wenngleich er durch seine neuen Mitglieder nicht mehr ein klassischer „old economy-Index“ ist, weiterhin läuft wie eine Lokomotive. Von vielen Titeln mit beeindruckender Wertentwicklung in diesem Jahr haben wir stellvertretend herausgesucht: Pepsi, Procter&Gamble, McDonalds und Chevron (im Vergleich zum Standardindex S&P500). Sehen Sie selbst:

 

Quelle: DZ Bank AG / Infront

Was bleibt als Fazit?

Früh im Jahr 2025 wurde die Frage nach der Überbewertung und den hohen Investitionen der „KI-Aktien“ gestellt, Auslöser damals waren die Ergebnisse der chinesischen „low budget“-Anwendung DeepSeek. Nun wird die Frage nach der KI selbst und deren Einfluss auf das Geschäftsmodell gestandener Unternehmen gestellt. Beide Fragen führ(t)en zu massiven Verunsicherungen. Im Moment ist zu konstatieren, dass ein leistungsfähiges KI-Modell für eine spezifische Branche angekündigt wird, dies sofort zu Kursverlusten innerhalb des Sektors führt. Es spielt kaum eine Rolle, ob das KI-Modell nur ein einzelnes Unternehmen herausfordert oder das Potenzial hat, die gesamte Branche zu verändern. Der Markt reagiert mit einer reflexartigen Verkaufswelle, in welcher durch eine Art „Sippenhaft” nicht mehr zwischen potenziellen Gewinnern und Verlierern unterschieden wird. Diese Nervosität wird sicher noch eine Zeitlang anhalten, doch wir erwarten, dass sie sich auch wieder beruhigen wird. Erfreulicherweise führt die Nervosität auf Indexebene nicht zum Abverkauf, sodass unsere Erwartung für das Jahr 2026 (z.B. klar kommuniziert in unserem „Blick auf die Börse“ am 26.01.26) sich derzeit voll materialisiert: „…wir sehen keine Fortsetzung der Rally der letzten Jahre…einen akuten Crash sehen wir ebenfalls nicht…die Nervosität und die Schwankungsbreite am Aktienmarkt wird deutlich zunehmen…“.

Quelle: DZ Bank AG

 

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