Aktien China: Ein „Must-have“ im Aktienportfolio?

Es zeichnet sich eindeutig ab: China hat sich von einem reinen Fertigungsstandort zu einem wichtigen und zunehmend marktbeherrschenden Akteur in verschiedenen Technologiebereichen entwickelt. Auch im Bereich der künstlichen Intelligenz intensiviert China den Wettbewerb mit den USA (Stichwort: DeepSeek). Was bedeuten diese Entwicklungen konkret für deutsche Anleger? Muss ein Einstieg in den chinesischen Aktienmarkt erfolgen, um an den künftig positiven Entwicklungen partizipieren zu können? Wir versuchen nachfolgend, wichtige Aspekte in Bezug auf den chinesischen Aktienmarkt zu beleuchten.

Ein Blick auf die historische Performance

Wie in den USA und Deutschland gibt es auch in China wichtige Aktienindizes. Der CSI 300, bestehend aus den 300 größten börsennotierten Unternehmen Festlandchinas, gilt als Barometer für den chinesischen Aktienmarkt. Vergleicht man seine Entwicklung in USD seit Jahresbeginn mit dem S&P 500, scheint China als Investment einigermaßen attraktiv zu sein:  Gemäß unserer Aufstellung anhand von zwei börsennotierten Indexfonds (ETF´s) stieg der CSI 300 in USD um 23%, der S&P 500 in USD um 17%. Über einen Zeitraum von knapp drei Jahren zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Der (USD-ETF auf den) S&P 500 erwirtschaftete eine Rendite von 85% und der (USD-ETF auf den) CSI 300 von „nur“ 28%. Auch im „ganz langen“ Zeitfenster bleibt die Performance schwach und volatil: Der historische Höchststand des CSI 300 von 5.877 Punkten aus 2007 wurde erst 2021 wieder erreicht, aktuell notiert der Index jedoch deutlich darunter, während der S&P 500 zuletzt neue Rekordstände erreichte.

 

Quelle: DZ Bank AG / Infront

Dies steht im Widerspruch zur Wahrnehmung der chinesischen Bedeutung in der Welt, weshalb es sich durchaus lohnt, die Gründe für die strukturelle „Underperformance“ des chinesischen Aktienmarktes zu eruieren:

Ein Grund: Die Struktur des Marktes bzw. die hohe Anzahl an Staatsunternehmen

Als sich China 1990 wieder den internationalen Finanzmärkten öffnete, geschah dies vor allem mit dem Ziel, den Staatsunternehmen marktwirtschaftliche Prinzipien näherzubringen, Effizienzgewinne zu erzielen und frisches Kapital einzuwerben. Von einer umfassenden Privatisierung war dabei jedoch nie die Rede. Die chinesische Regierung strebte vielmehr danach, das Beste aus beiden Welten zu vereinen: volle staatliche Kontrolle über Markteffizienz. Deshalb wurden bei Börsengängen meist nur Minderheitsanteile von Unternehmen an (zunächst auch nur inländische) Investoren ausgegeben. Bis heute ist der chinesische Aktienmarkt in staatliche und private Unternehmen unterteilt. Unter den 100 größten chinesischen Unternehmen nach Marktkapitalisierung sind rund 60 Prozent mehrheitlich in Staatseigentum. Diese beiden Unternehmenstypen unterscheiden sich grundlegend in ihren Anreizstrukturen und ihrer Unternehmensführung.

Ein weiterer Grund: Viele Arten von Aktien

Darüber hinaus teilt sich der Aktienmarkt nicht nur in Staats- und Privatunternehmen, sondern auch in unterschiedliche Aktientypen. So ist in China Aktie nicht gleich Aktie. Ein Unternehmen kann in A, B und H-Aktien gehandelt werden. A-Aktien sind Anteile chinesischer Unternehmen, die an den Börsen in Shanghai oder Shenzhen in Renminbi gehandelt werden und die ursprünglich nur für inländische Investoren zugänglich waren. Bis heute können internationale Anleger nur unter bestimmten Voraussetzungen A-Aktien handeln. B-Aktien sind ebenfalls an den chinesischen Börsen gelistet, werden jedoch in Fremdwährungen (Shanghai: US-Dollar, Shenzhen: Hongkong-Dollar) gehandelt und richten sich vor allem an ausländische Investoren. H-Aktien hingegen sind Aktien chinesischer Unternehmen, die an der Börse in Hongkong in Hongkong-Dollar gehandelt werden. Diese stehen in- und ausländischen Investoren offen. Wie viele und welche Aktientypen ausgegeben werden ist eine Entscheidung der Unternehmen, die jedoch immer Zustimmung des Staates bedarf. Für H-Aktien braucht es zusätzlich die Zustimmung der Börse Hongkong und der Börsenaufsicht. Diese unterschiedlichen Aktientypen zeigen Parallelen zur Privatisierung der Staatsunternehmen auf. Die chinesische Regierung verfolgt auch hier eine kontrollierte Liberalisierung, da ihr es die verschiedenen Aktientypen ermöglichen, zu steuern wie groß der Einfluss von ausländischen Investoren ist. Auch die Öffnung von A-Aktien für internationale Investoren geschieht nur unter der Aufstellung von Kontingenten, die bestimmen, wie viel Geld investiert werden darf. Diese speziellen Unterscheidungen nach Aktientypen und Investorenkreis des chinesischen Marktes findet in dieser Form weder in Europa noch in den USA statt.

Ebenfalls auffällig: Großer Einfluss weniger Großaktionäre

Aktien privater Unternehmen sind häufig stark konzentriert und liegen in den Händen weniger Großaktionäre. Diese dominieren dann die Unternehmensführung, während das Management wenig Einfluss hat. Ein Blick auf die Daten verdeutlicht die Unterschiede: In den Top 20 Firmen des S&P 500 beträgt der Medianaktienanteil des größten Aktionärs 9,5 Prozent. Unter diesen Großaktionären befinden sich nur drei Privatpersonen, von denen wiederum nur zwei im Vorstand des jeweiligen Unternehmens sitzen. Die 17 anderen Großinvestoren sind institutionelle Anleger. Der CSI 300 hingegen hat ein Medianaktienanteil der Großaktionäre von 16,4 Prozent, davon sind elf Großaktionäre Privatpersonen von denen wiederum neun im Vorstand sitzen und nur neun institutionelle Anleger sind.

Ein „No Go“: Staatliche Eingriffe

Der chinesische Staat ist ein autoritäres Regime, was sich auch in seiner direkten Einflussnahme auf den Aktienmarkt widerspiegelt. Dies führt dazu, dass ausländische Investoren besonderen Risiken ausgesetzt sind. Wie schon erwähnt, ist der Zugang zu chinesischen Unternehmen durch die verschiedenen Aktienarten (A-, B- und H-Aktien) eingeschränkt und kann sich je nach staatlicher Anweisung erweitern oder verengen. Kapitalverkehrskontrollen verschärfen diese Probleme zusätzlich. Die Rückführung von Gewinnen ins Ausland sowie die Liquidität für ausländische Investoren können erheblich eingeschränkt werden. Gerade in Zeiten politischer oder wirtschaftlicher Spannungen können sich diese Restriktionen schnell verschärfen. Darüber hinaus verfolgt die chinesische Regierung mit ihren schnellen und drastischen Eingriffen häufig politische Ziele, etwa die Kontrolle über Schlüsselindustrien oder die Sicherung von Arbeitsplätzen. Entscheidungen werden daher nicht immer unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten getroffen, sondern können abrupt und im Sinne übergeordneter Staatsinteressen erfolgen. Für Investoren bedeutet das eine zusätzliche Unsicherheit, da Kursentwicklungen und Unternehmensstrategien oft von politischen Vorgaben beeinflusst werden. Ein prominentes Beispiel ist die Regulierungsoffensive in der Technologie-Branche im Jahr 2021, die vor allem das Ziel hatte, die wachsende Marktmacht und den damit einhergehenden politischen Einfluss der Technologieunternehmen einzuschränken. Die Maßnahmen umfassten kartellrechtliche Untersuchungen gegen große Technologieunternehmen wie Alibaba, Tencent und Didi, die Verschärfung von Datenschutz- und Cybersicherheitsgesetzen sowie die Absage des Börsengangs der Ant Group (Tochter von Alibaba). Dies hatte zu Kursverlusten in Milliardenhöhe geführt.

Unser Fazit

Abschließend lässt sich festhalten, dass der chinesische Aktienmarkt im Vergleich zu westlichen Märkten ein schwächeres Fundament für Unternehmen und Aktionäre bietet, was sich in tendenziell geringerer Performance und höherer Volatilität niederschlägt. Dieses fragile Fundament wird zudem durch das teils aggressive und intransparente Vorgehen des chinesischen Staates weiter geschwächt. Zusätzlich zu diesen strukturellen Problemen ist die wirtschaftliche Entwicklung Chinas für die Zukunft mit gewisser Skepsis zu betrachten. Das Land kämpft mit Handelskonflikten, hoher Staatsverschuldung, einer ungelösten Immobilienkrise und dem demografischen Wandel. Vor diesem Hintergrund erscheint es ratsam, Investitionen in chinesische Aktien engmaschig zu überwachen bzw. auch auf Schwellenländer außerhalb Chinas als eine Art „Surrogat“ für China zu setzen.

 

Quellen: Union Investment, m+c Asset Allocation, DZ Bank AG / Infront

 

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