Kurz vor der Sommerpause tagte erneut unser Investment Committee. Es gab einige Dinge zu besprechen:
- der Status Quo im Iran-Konflikt
- Blick auf die aktuelle Berichtssaison
- Ausblick auf die Notenbanksitzungen
- Nachlese zur Fussball-Weltmeisterschaft (ein kleiner Scherz…)
Wir bleiben trotz aller Themen und Entwicklungen bei unserer aktuellen Linie: Die Kapitalmärkte sind in Anbetracht der aktuellen Gewinnentwicklung resilient, in den USA herrscht deutlich mehr Wachstumsdynamik als in Europa, die Inflation und darauf aufbauend die Entwicklung der Renditen am Anleihemarkt müssen jedoch mit Argusaugen betrachtet werden. Und daher sollte es nicht überraschen, dass wir unsere Einschätzung für die Gewichtungen der Anlageklassen in einem globalen Multi-Asset-Portfolio unverändert bestehen lassen:

Wie in unserer Kommentierung der Markteinschätzung zu sehen ist, sind die neuralgischen Punkte genannt und gleichzeitig die Angst vor einzelnen Themen (z.B. Ölpreis) relativiert:

Sofern also die Ölpreise nicht noch deutlich stärker anziehen, die Inflation sowohl Anleihemärkte als auch Notenbank nicht in Zugzwang setzt und die Aktiengesellschaften die Gewinnerwartung erfüllen können, gibt es keinen Grund für eine negative Börsenstimmung. Aber aus Erfahrung sind die Sommermonate immer wieder für Konsolidierungen oder Seitwärtsentwicklungen gut, von daher sollten Investorinnen und Investoren auch nicht überrascht sein, wenn es an den globalen Finanzmärkten in den kommenden Sommerwochen nicht mehr „vorwärts“ (sondern leicht rückwärts) geht.
Die US-Notenbank wartet erstmal ab
In diesen Kontext passt auch die Zinsentscheidung der US-Notenbank sehr gut. Einerseits sollte die wachsam sein vor der zu hohen Inflation, andererseits möchte sie das Wirtschaftswachstum nicht gefährden.
Die US-Notenbank lies in dieser Woche das Leitzinsband unverändert bei 3,50% – 3,75%. Eine beträchtliche Minderheit der Währungshüter (drei) stimmte aber für eine Straffung. In den Daten und Entwicklungen fanden sich reichlich Argumente für beide Seiten. Für die Zinsfalken (also für die Befürworter einer Zinserhöhung): Eine erneute Eskalation im Iran-Krieg, wodurch der Rückgang der Energiepreise im Juni lediglich eine kurze Verschnaufpause war. Außerdem die den Widrigkeiten weiter trotzende US-Konjunktur, die nicht nur von KI- und IT-Investitionen, sondern auch vom robusten Privatkonsum getragen wird. Letztlich die niedrige Arbeitslosigkeit (4,2%). Durchgesetzt hat sich aber das Narrativ, dass der Energiepreisschock temporär und die Zweitrundeneffekte gering bleiben. Daneben zeigten die jüngsten Datenveröffentlichungen Entspannung an. Nicht nur die Gesamtinflation fiel im Juni, sondern auch die Kernrate. Am Arbeitsmarkt notierte der Stellenaufbau im Juni spürbar unter der kräftigen Dynamik des Frühjahrs, d.h. erste Schwächetendenzen waren erkennbar. Und so kann das unveränderte Leitzinsband gut begründet werden.