Heute vor 25 Jahren ereignete sich mit dem Angriff auf die alten „Twin-Towers“ in New York einer der größten Terroranschläge der Geschichte. Ein trauriges „Jubiläum“, wobei dies nicht den Grund für den heutigen Blog darstellt. Vielmehr hat sich das Investment Committee der Volksbank Kraichgau Ende August dazu entschieden, die zwischenzeitlich veränderte Einschätzung zu Gold einem „Review“ zu unterziehen. Sie erinnern Sich: Wir hatten unsere sehr lang andauernde positive Einschätzung zu Gold im März diesen Jahres auf „neutral“ gesenkt und massiv und sehr deutlich darauf hingewiesen, dass wir mittelfristig positiv für das Edelmetall gestimmt sind, es aber kurzfristig zu massiven Turbulenzen kommen kann. Und so kam es dann auch…
4.000 USD haben „gehalten“, die Charttechnik dreht ins Positive
Neben der fundamentalen Bewertung und der Suche nach „Treibern“ von Assetpreisen ist für uns der Blick auf den Chart ein zweites wichtiges Standbein für Anlageempfehlungen bzw. Investmententscheidungen. Und auf die wichtige Marke von 4.000 USD im Gold-Chart haben wir immer wieder hingewiesen. Diese hat gehalten und danach folgte eine kurze aber massive Rally in den Bereich 4.500 bis 4.600 USD, worauf sich nun wieder eine Konsolidierung einstellte. Konsolidierungen sind sehr häufig trendbestätigend, weshalb wir uns nach intensiven Diskussionen entschieden haben, wieder zu unserer ursprünglichen positiven Einschätzung für Gold zurückzukehren. Damit Sie unsere Gedanken nachvollziehen können, hier an dieser Stelle ein Blick auf den aktuellen Gold-Chart (in USD) für den Zeitraum 1 Jahr:

Diese Entscheidung „Pro Gold“ wurde flankiert durch den Zinsanstieg, welcher derzeit an den internationalen Rentenmärkten beobachtbar ist. Natürlich sind steigende Zinsen per se negativ für den Goldpreis zu werten, da Gold keine laufenden Zinsen oder Erträge bietet, weshalb die Erträge am Rentenmarkt als „Opportunitätskosten“ gesehen und gewertet werden. Dies bedeutet, dass sich bei höheren Renditen am Rentenmarkt eine Investition in Gold weniger attraktiv darstellt, da hier keine laufenden Erträge generiert werden. Dieser Renditeanstieg ist durchaus als „massiv“ zu werten, wir haben hier einen Chart der Kollegen von HSBC Deutschland (erneuter Dank an Herrn Jörg Scherer), welcher dies eindrucksvoll zeigt (ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1.000 Worte):

Und auch die Europäische Zentralbank hat mit ihrer gestrigen Leitzinsentscheidung das steigende Zinsumfeld mit ihrer Zinsentscheidung bestätigt. Denn der EZB-Rat beschloss eine Anhebung um 25 Basispunkte über das komplette Leitzinsband hinweg. Der Einlagesatz liegt damit bei 2,50%. Die Entscheidung kam nach einer auf 3,3% gestiegenen Inflationsrate und entsprechenden Äußerungen aus dem EZB-Direktorium wenig überraschend. EZB-Präsidentin Lagarde stellte in der Pressekonferenz vor allem die verschiedenen Treiber der Energiepreishausse (Rohöl, LNG, Transportbeschränkungen, Raffinerien) und die daraus erwachsenden Inflations-Risiken in den Mittelpunkt.
Warum Gold „positiv“, wenn die Renditen steigen?
Diese berechtigte Frage beantworten wir zum einen mit unserer charttechnischen Einschätzung und zum anderen mit der Überzeugung, dass ein Mix aus steigenden Renditen und steigender Inflation durchaus geeignet ist, um Turbulenzen an den Kapitalmärkten auszulösen. Dies hatten wir in unserem Allokations-Update im Juli bereits thematisiert. Und da wir auf das Portfolio als Ganzes achten, sollte Gold im Falle auftretender Turbulenzen eine (Ab-)Sicherungswirkung auf ein breit gestreutes globales Portfolio entfalten. Natürlich gibt es noch weitere Überlegungen, aber an dieser Stelle reichen die wesentlichen Punkte erstmal aus. Unsere gesamte Markteinschätzung sieht daher nun wie folgt aus:
